Krisenfest.(2)

Grünastbruch

Sommerliche Gefahr im Grün: Warum scheinbar gesunde Bäume plötzlich Äste verlieren
Beim Blick nach draußen sieht aktuell alles herrlich grün aus: Die Bäume stehen voll im Saft und wirken kraftvoll. Doch der Schein trügt. Hinter den Kulissen kämpfen viele unserer Bäume derzeit mit leisem, aber massivem Trockenstress.

Besonders gefährlich im Hochsommer ist der sogenannte Grünastbruch. Dabei werfen selbst scheinbar kerngesunde Bäume plötzlich und ohne Vorwarnung schwere, belaubte Äste ab – ein enormes Sicherheitsrisiko für Gartenbesitzer, Parkplätze und Schulhöfe. Wie erkennt man diese unsichtbare Gefahr rechtzeitig? Und wie schützt man seinen Baumbestand richtig?
Wir haben nachgefragt bei jemandem, der es wissen muss: Unser Profi-Baumpfleger und Bereichsleiter der Scheidtmann Service GmbH, Alexander Prüfer, verrät im Interview, worauf es jetzt ankommt.

Wenn Laien im Hochsommer durch Parks oder den eigenen Garten gehen, sehen sie oft nur „grüne Bäume“. Worauf achtest du als Profi zuerst, wenn du den Zustand eines Baumes bei Hitze beurteilst?
Alexander Prüfer: „Ich schaue mir als Erstes die Vitalität der Krone an. Bäume senden sehr deutliche Warnsignale aus, wenn ihnen das Wasser fehlt. Achten Sie auf Blätter, die kleiner oder blasser sind als gewohnt, oder die sich schlaff einrollen. Auch eine vorzeitige Herbstfärbung, spontaner Laubfall oder ein Auslichten der Krone – die sogenannte Verlichtung – zeigen mir sofort: Dieser Baum leidet unter massivem Stress.“

Gibt es Baumarten bei uns in der Region, bei denen dir aktuell besonders das Herz blutet, weil sie extrem unter der Trockenheit leiden?
Alexander Prüfer: „Ja, leider. Besonders stark betroffen sind aktuell die Rotbuche, Fichte, Birke und Esche. Bei diesen Arten sehen wir die Schäden durch den sinkenden Grundwasserspiegel als Erstes. Aber auch Ahornarten und Linden zeigen mittlerweile mittelstarke Stresssymptome. Es trifft also längst nicht mehr nur die Nadelbäume.“

Immer wieder hört man im Sommer vom mysteriösen Grünastbruch, bei dem voll belaubte Äste plötzlich abbrechen. Was genau passiert da im Baum und warum ist das so gefährlich?
Alexander Prüfer: „Das Tückische ist: Die Äste brechen völlig ohne Vorwarnung und Windstille reicht oft schon aus. Die genauen Mechanismen werden in der Wissenschaft noch diskutiert, aber wir wissen, dass Trockenheit ein enormer Stressfaktor ist.
Im Hochsommer tragen große, weit ausladende Äste ihre maximale Blattmasse und damit ihr höchstes Eigengewicht. Extrem hohe Temperaturen verändern die mechanischen Eigenschaften des Holzgewebes und verringern die Stabilitätsreserven. Durch Wasserstress entstehen Spannungsunterschiede im Holz. Wenn dann nach einem heißen Tag noch Regen oder ein Gewitter dazukommt, beschwert das zusätzliche Wasser auf den Blättern die Krone extrem – und der Ast bricht ab.

Besonders häufig beobachten wir das an heißen Sommertagen oder in den Abendstunden danach, vor allem bei älteren, großkronigen Laubbäumen wie Buchen, Linden, Kastanien und Pappeln.


Wie gießt man denn nun richtig? – Lieber 1x pro Woche ausgiebig wässern als täglich nur die Oberfläche besprühen.